Auf ein Wort

Gemeinschaft über den Tod hinaus

Jetzt im November wird es früh dunkel. Die Blätter fallen von den Bäumen und die zunehmende Kälte stimmt uns auf den Winter ein.

In der Tradition haben Menschen ihre wichtigen Feste und Gedenken an die Jahreszeiten angepasst. So hat sich im Monat November eine besondere Tradition des Totengedenkens entwickelt. Wir feiern in der katholischen Kirche die Feste Allerheiligen und Allerseelen zum besonderen Gedenken an die Verstorbenen. Die evangelische Kirche feiert den Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, um besonders der Verstorbenen zu erinnern.

Wenn wir an einem Tag im Jahr etwas feiern oder uns an etwas erinnern, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass dieses Gedenken nicht nur an diesem Tag wichtig für unser Leben und unsere Gesellschaft ist. In vorchristlichen Zeiten war der Ort Delphi in Griechenland ein berühmter Wallfahrtsort. Aus vielen Ländern der Erde kamen Ratsuchende, um sich aus dem Munde der Priesterinnen den helfenden Spruch des Gottes anzuhören, der sich oft durch seine Tiefsinnigkeit auszeichnete. Eines Tages kamen Abgesandte des Volksstammes der Megarer mit der Frage, was denn das Glück ihres Volkes begründet. Das Orakel antwortete: „In allen wichtigen Dingen sollt ihr euch mit der Mehrheit beraten.“ Diese Mehrheit seien – die Toten. Mit ihnen sollten sie Rat pflegen. Das sei die sicherste Bürgschaft für die Wohlfahrt ihres Landes.

Unsere Toten halten wir in Ehren, in Erinnerung – eine Zeit lang zumindest oder am Fest Allerseelen. Doch regelmäßig mit ihnen Kontakt halten? Können uns die Toten einen guten Rat für unser Leben geben? Die Sprache der Verständigung zwischen den Lebenden und den Toten ist das Gebet. Im Gebet öffnen wir uns mit unserem Denken und Fühlen, mit unseren Fragen und Antworten, mit unserem Suchen und Finden. Im Gebet öffnen wir uns der Botschaft der Verstorbenen. Diese könnte sein:

  • Denke daran, dass du auch sterben musst!
  • Der Tod ist nicht das Letzte. Du wirst leben!
  • Wenn du stirbst, wirst du nicht mitnehmen, was du hast, sondern was du gegeben hast.
  • Deine Schuld wird dir vergeben werden.
  • Du lebst nicht umsonst!

Thomas Schenk, Gemeindereferent

Basics

Nein, ich hab mich nicht verschrieben. Was wir heute neudeutsch als basics bezeichnen, ist mir in diesem Sommer bei einer Kinderfreizeit auf Ameland wieder bewusst geworden. Wir haben dort mit etwa 50 Kindern und unserem Betreuerteam zwei Wochen auf der holländischen Nordseeinsel verbracht. Dort schliefen wir in einfachen Doppelstockbetten in schlichten Schlafsälen, die früher mal Hühnerställe waren. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 Jahren hatten keine Smartphones dabei. Sie mussten direkt miteinander kommunizieren und hatten viel Zeit, zu spielen, reden, streiten und lachen. Wir haben den Tag immer gemeinsam begonnen mit einer Morgenrunde mit einem Lied, einem Bewegungsspiel und einem Gebet. Alle waren begeistert dabei bei Spielaktionen, Rallyes, Sport, Bastelaktionen, Spielshows, Strand, Schwimmen, Kutterfahrt, Nachtwanderung, Lagerfeuer u.v.m. Wir haben viel zusammen gesungen – besonders bei der Abendrunde, wenn wir auf den Tag zurück geblickt haben. Die Kinder haben erzählt, was sie besonders bewegt und begeistert hat oder wo es Probleme gab. Das haben wir alles im Abendgebet Gott anvertraut. Die Kinder haben diese Gemeinschaft genossen, Beziehungen untereinander geknüpft und die Leiter waren mit viel Engagement und Begeisterung für die Kinder und Jugendlichen da. Sie freuen sich alle schon wieder auf nächstes Jahr, wenn es wieder nach Ameland geht. Wir haben in diesen zwei Wochen einfach gelebt, auf viele Annehmlichkeiten und Konsum verzichtet, die ansonsten selbstverständlich erscheinen. So hatten wir mehr Zeit und Energie für die wesentlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen. Wir waren dankbar für das, was wir erleben und genießen durften und haben uns dies auch bewusst gemacht. Zwischendurch tut es gut, sich auf die basics zu besinnen - auf das, woraus wir wirklich leben.

Thomas Schenk, Gemeindereferent