Auf ein Wort

Der Geist des Lebens

 In diesen Tagen und Wochen erwacht die Natur zu neuem Leben. Sie lässt uns erahnen, was wir Ostern gefeiert haben: das Leben ist stärker als der Tod. Und wir suchen nach so langer Zeit der Kälte und Dunkelheit die Erfahrungen von Sonne, Licht, Wärme, wir genießen das frische Grün und die Pracht der Blüten, den Duft des Frühlings und das Singen der Vögel…

In Wahrheit jedoch dient uns Menschen die Natur eher als Mittel zum Zweck. Die Folgen von Massentierhaltung, Atomenergie, Fungizideinsatz oder Plastikmüll werden immer bedrohlicher, so dass eine Zukunft mit dauerhaftem Leben auf der Erde immer fraglicher erscheint. Dies scheint zum einen die Folge eines rigorosen präferierten Wirtschaftsdenkens, hat aber auch mit einem Weltbild zu tun, das durch unsere christliche Religion mit geprägt wurde. In der alten Vorstellung von Gott und Welt war Gott der Lenker und Leiter des Weltgeschicks. Er strafte die Menschen oder belohnte sie. Die Natur war nur Mittel zum Zweck. Die Erde war Mittelpunkt des Kosmos. Der Mensch war die Krone der Schöpfung und sollte alles beherrschen. Unser Körper sollte diszipliniert werden, um das Heil zu erlangen.

Papst Franziskus kritisierte vor einigen Tagen die christliche Natur- und Leibfeindlichkeit, die aus einer solchen Welt- und Glaubenssicht spricht. Die Menschen wenden sich seit Jahrzehnten scharenweise ab von einer solchen Welt- und Glaubenssicht und damit oft auch von den Kirchen, weil sie diese immer noch damit zum Teil auch zu Recht identifizieren.

Pierre Teilhard de Chardin, Jesuit, Philosoph, Anthropologe und Paläontologe, beschrieb Gott als einen Gott, der uns Men-schen und die Natur in Freiheit sich entwickeln entlässt. Das ist kein Bild von einem Gott, der Naturkatastrophen oder Krankheiten schickt, um Menschen zu bestrafen.

Gott hat sich uns Menschen in Jesus am Kreuz gezeigt als der wehrlose, liebende Gott, der die Menschen in Freiheit handeln lässt. Er brachte einen Geist in diese Welt, den wir auch als Geist Gottes bezeichnen. Er will, dass wir den Menschen und der Natur in Liebe und Achtung begegnen; dass wir die Natur als Gottes Schöpfung begreifen, in der wir ihm begegnen und dass wir dankbar sind für alles, was er uns schenkt. Eine solche Sicht würde uns verbinden mit anderen Kulturen und Religionen. Mit einer solchen Haltung können wir uns auch mit allem Leben verbunden fühlen und nur eine solche Haltung wird auf Dauer das Leben auf dieser Welt erhalten

 

Thomas Schenk, Gemeindereferent

Ruhebank in der Sonne unter einem Feigenbaum

Aus der Ruhe kommt die Kraft

Ich bin immer wieder beeindruckt von der absoluten Stille von jeweils fünf Minuten bei den regelmäßigen Gebetszeiten, wenn ich gemeinsam mit tausenden von Jugendlichen in der Klosterkirche von Taizé/Burgund bin. Die Stille, das Schweigen von so vielen jungen Menschen drückt eine tiefe spirituelle Kraft aus, die die Jugendlichen erfüllt oder die sie suchen.

Die Jugendlichen machen die Erfahrung, dass Stille ihnen gut tut. Sie füllen sie mit ihren Gedanken, Sehnsüchten und Gebeten und kommen so wirklich zu sich selbst und oft auch zu Gott. Ich mache diese Erfahrungen auch, wenn ich in der Firmvorbereitung ähnliche Gebetszeiten mit langen Stillephasen anbiete oder wenn ich mit Jugendlichen meditiere wie zuletzt im Schülergottesdienst am Aschermittwoch mit ca. 100 Jugendlichen. Es gibt kein Gerede, kein Gekicher, jede/r ist bei sich und die Stille scheint gut zu tun.

Das Bedürfnis nach Ruhe scheint groß zu sein in einer Zeit, in der wir rund um die Uhr meinen, online sein zu müssen. Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün sagt: „Solange wir innerlich aufgewühlt sind, können wir die Energie nicht wahrnehmen, die in uns strömt. Es braucht die Ruhe, um die Kraft zu entdecken, die in uns liegt“. Es braucht die Ruhe, um die inneren Kräfte zu entdecken und um sich immer wieder innerlich neu auszurichten.

Was sind meine nächsten Ziele? Was möchte ich korrigieren? Worüber muss ich nachdenken, mir Hilfe holen…? Wir brauchen immer wieder den Rückzug, um Rücksicht auf uns selbst zu nehmen. So spüren wir, was wir brauchen, was jetzt dran ist, können wieder unsere innere Kraft spüren. In Phasen der Ruhe können wir bei uns sein, spüren, was wir können, was uns geschenkt ist, was nicht selbstverständlich ist statt unsere Energien außerhalb von uns zu verschwenden.

Oft gelingt es nicht, wirklich in die Ruhe zu finden. Wenn ich es aber versuche, spüre ich die Sehnsucht nach Ruhe in mir und darin ist schon Ruhe. In der Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe. Und in der Sehnsucht nach Gott ist schon Gott. Und in der Sehnsucht nach Glück ist schon Glück. Als Spur, die in meiner Sehnsucht spürbar ist, ist dann zumindest eine Ahnung von Glück schon vorhanden.

Thomas Schenk, Gemeindereferent

 

Weise, Sterndeuter und wir

In den nächsten Tagen sind wieder im ganzen Land Sternsinger unterwegs. Sie gehen in die Häuser zu den Menschen und bringen ihnen die frohe Botschaft und den Segen vom neugeborenen Sohn Gottes, der die Erde mit dem Himmel verbunden hat. Und sie lassen seine Botschaft Wahrheit werden und setzen sich für Frieden in aller Welt und die Benachteiligten, Armen und Kranken ein. Jedes Jahr sammeln die Sternsinger bundesweit ca. 50 Millionen Euro und unterstützen damit Projekte für Kinder in Not weltweit.

Die Weisen aus dem Osten folgen einem Stern, um den König und Retter der Welt zu finden. Sie stehen in dieser Beschreibung des Evangelisten Matthäus für die Wissenden und Weisen der ganzen Welt. Sie kommen, um dem neugeborenen König ihre Geschenke zu bringen. Was die Weisen und Forscher der Welt an Wissen gesammelt haben, in allem steckt eine Sehnsucht nach dem göttlichen Kind. Was Menschen seit ihrer Existenz erforschen und suchen, möchte das Geheimnis des Lebens entdecken: Wer ist der Mensch? Wo kommt unser Leben her und wo geht es hin? Wozu lebe ich?

Wer seinem Wissen und seiner Sehnsucht bis zum Ende folgt, der wird beim menschgewordenen Gott ankommen. Die Weisen aus dem Osten stehen für andere Völker und Kulturen, für andere religiöse Wege, die ebenfalls zu dem einen Gott führen. Und sie erinnern uns an unser eigenes Suchen. Wenn wir auf der Suche nach Frieden, nach neuem Leben, nach Menschenwürde und Hoffnung sind, sind wir auf dem Weg zum neugeborenen König. Alle Wege führen letztlich zu ihm.

Die Weisen werden in der Bibel auch Sterndeuter genannt. Sie deuten die Sterne, die am Himmel stehen, aber auch in unseren Herzen aufgehen. Diese Sterne beschreiben unsere Sehnsucht, die uns antreibt.

Trau Deiner Sehnsucht und folge ihr! Auch wenn Du in den Dunkelheiten deines Lebens den Stern oft nicht siehst, wenn Du Dich von Gott auf deinen Wegen verlassen fühlst, Gott führt Dich, bis auch Du alles hinter Dir lassen kannst, was Dich belastet. Bei ihm kannst Du niederknien und anbeten. Dann bist Du angekommen, bist ganz bei Dir, bei den Menschen und bei Gott.

Thomas Schenk, Gemeindereferent

 

 

 

 

Gemeinschaft über den Tod hinaus

Jetzt im November wird es früh dunkel. Die Blätter fallen von den Bäumen und die zunehmende Kälte stimmt uns auf den Winter ein.

In der Tradition haben Menschen ihre wichtigen Feste und Gedenken an die Jahreszeiten angepasst. So hat sich im Monat November eine besondere Tradition des Totengedenkens entwickelt. Wir feiern in der katholischen Kirche die Feste Allerheiligen und Allerseelen zum besonderen Gedenken an die Verstorbenen. Die evangelische Kirche feiert den Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, um besonders der Verstorbenen zu erinnern.

Wenn wir an einem Tag im Jahr etwas feiern oder uns an etwas erinnern, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass dieses Gedenken nicht nur an diesem Tag wichtig für unser Leben und unsere Gesellschaft ist. In vorchristlichen Zeiten war der Ort Delphi in Griechenland ein berühmter Wallfahrtsort. Aus vielen Ländern der Erde kamen Ratsuchende, um sich aus dem Munde der Priesterinnen den helfenden Spruch des Gottes anzuhören, der sich oft durch seine Tiefsinnigkeit auszeichnete. Eines Tages kamen Abgesandte des Volksstammes der Megarer mit der Frage, was denn das Glück ihres Volkes begründet. Das Orakel antwortete: „In allen wichtigen Dingen sollt ihr euch mit der Mehrheit beraten.“ Diese Mehrheit seien – die Toten. Mit ihnen sollten sie Rat pflegen. Das sei die sicherste Bürgschaft für die Wohlfahrt ihres Landes.

Unsere Toten halten wir in Ehren, in Erinnerung – eine Zeit lang zumindest oder am Fest Allerseelen. Doch regelmäßig mit ihnen Kontakt halten? Können uns die Toten einen guten Rat für unser Leben geben? Die Sprache der Verständigung zwischen den Lebenden und den Toten ist das Gebet. Im Gebet öffnen wir uns mit unserem Denken und Fühlen, mit unseren Fragen und Antworten, mit unserem Suchen und Finden. Im Gebet öffnen wir uns der Botschaft der Verstorbenen. Diese könnte sein:

  • Denke daran, dass du auch sterben musst!
  • Der Tod ist nicht das Letzte. Du wirst leben!
  • Wenn du stirbst, wirst du nicht mitnehmen, was du hast, sondern was du gegeben hast.
  • Deine Schuld wird dir vergeben werden.
  • Du lebst nicht umsonst!

Thomas Schenk, Gemeindereferent

Basics

Nein, ich hab mich nicht verschrieben. Was wir heute neudeutsch als basics bezeichnen, ist mir in diesem Sommer bei einer Kinderfreizeit auf Ameland wieder bewusst geworden. Wir haben dort mit etwa 50 Kindern und unserem Betreuerteam zwei Wochen auf der holländischen Nordseeinsel verbracht. Dort schliefen wir in einfachen Doppelstockbetten in schlichten Schlafsälen, die früher mal Hühnerställe waren. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 Jahren hatten keine Smartphones dabei. Sie mussten direkt miteinander kommunizieren und hatten viel Zeit, zu spielen, reden, streiten und lachen. Wir haben den Tag immer gemeinsam begonnen mit einer Morgenrunde mit einem Lied, einem Bewegungsspiel und einem Gebet. Alle waren begeistert dabei bei Spielaktionen, Rallyes, Sport, Bastelaktionen, Spielshows, Strand, Schwimmen, Kutterfahrt, Nachtwanderung, Lagerfeuer u.v.m. Wir haben viel zusammen gesungen – besonders bei der Abendrunde, wenn wir auf den Tag zurück geblickt haben. Die Kinder haben erzählt, was sie besonders bewegt und begeistert hat oder wo es Probleme gab. Das haben wir alles im Abendgebet Gott anvertraut. Die Kinder haben diese Gemeinschaft genossen, Beziehungen untereinander geknüpft und die Leiter waren mit viel Engagement und Begeisterung für die Kinder und Jugendlichen da. Sie freuen sich alle schon wieder auf nächstes Jahr, wenn es wieder nach Ameland geht. Wir haben in diesen zwei Wochen einfach gelebt, auf viele Annehmlichkeiten und Konsum verzichtet, die ansonsten selbstverständlich erscheinen. So hatten wir mehr Zeit und Energie für die wesentlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen. Wir waren dankbar für das, was wir erleben und genießen durften und haben uns dies auch bewusst gemacht. Zwischendurch tut es gut, sich auf die basics zu besinnen - auf das, woraus wir wirklich leben.

Thomas Schenk, Gemeindereferent