Maria 2.0: Initiative für Gleichberechtigung in der katholischen Kirche nun auch in der Wedemark

Maria 2.0 ist eine Initiative, die 2019 gegründet wurde von katholischen Frauen in Münster als Antwort auf die menschenrechtsverletzenden Taten, die innerhalb der katholischen Kirche begangen werden, von der Diskrimierung der Frau über die Ausgrenzung nicht heterosexuell ausgerichteter Menschen bis zum Missbrauch durch Priester.

Gestartet wurde mit einem offenen Brief an Papst Franziskus, es folgten viele Briefe an Bischöfe, Kirchenstreiks der Frauen und im Februar diesen Jahres der Anschlag der von Maria 2.0 geforderten Thesen an viele Kirchentüren Deutschlands. Diese stellen althergebrachte Machtstrukturen in Frage und fordern eine kreative Veränderung der katholischen Kirche, Gleichberechtigung der Frau in allen Ämtern und ein gelebtes Evangelium.

Auch Frauen aus unserer Gemeinde haben sich dieser Initiative angeschlossen. Es sind Frauen, die ihre seelische Heimat in der Kirche sehen, ihren Glauben dort aktiv leben und weitergeben wollen und Austritt nur als letzte Option bei Scheitern aller möglichen Anstrengungen um die Erneuerung der Kirche ansehen.

Am 6. Mai 2021 fand der Besuch des Hildesheimer Diözesanbischofs Heiner Wilmer in der kath. Kirchengemeinde St. Maria immaculata in Mellendorf statt. Zwischen einem informativen Nachmittag und dem Gottesdienst, den Bischof Heiner am Abend mit den unter Coronabedingungen zugelassenen Gemeindemitgliedern feierte, baten Frauen aus dieser Kirchengemeinde, die sich der Initiative Maria2.0 angeschlossen haben, den Bischof um eine Begegnung und konfrontierten ihn mit dem Thesenpapier von Maria 2.0 .Der Bischof unterstrich alle Forderungen und versicherte den Frauen, mit Ihnen gemeinsam auf dem Weg zu sein, eine Kirche zu verwirklichen, die diese Grundsätze lebt und die frohe Botschaft des Evangeliums ausstrahlt.

In seiner Predigt im anschließenden Gottesdienst thematisierte der Bischof die Frage, wie „Altes und Neues in der Kirche zusammengehe?“. Wie könne man heute noch einen Glauben der trägt, das, wofür man brenne und was man selbst von seinen Eltern oder Großeltern nahe gebracht bekommen habe, an seine Kinder weitergeben? Die Antwort war ein Aufruf mutig zu sein, neue Wege zu gehen, besonders den Jüngeren Gehör zu verschaffen und in der Liebe zu bleiben.

Einen jugendlichen Vertreter der Gemeinde hatte in einem Gespräch beeindruckt, dass der Bischof klar gestellt habe, dass das eigene Gewissen (auch das eines Priesters) immer die letzte Instanz für die eigene Entscheidung sei, auch wenn es der Weisung des Vatikans entgegenstehe. So muss man auch den Aufruf einiger Priester zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, wie z.B. am 8.5.21 in St. Albertus Magnus in Braunschweig, verstehen. Hier wollen Priester nach ihrem Gewissen handeln und Gott bitten, auch diese Liebenden auf ihrem gemeinsamen Weg zu begleiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Einstufung des eigenen Gewissens (gebildet am Evangelium und nicht an menschengemachten Kirchengesetzen) als maßgebliche Entscheidungsinstanz und der Wunsch, auch mit dem eigenen Handeln in der Liebe Gottes zu bleiben, Priester ebenso ermutigen wird, Frauen in der Kirche gleichberechtigt zu behandeln.

Wer sich über die Initiative Maria2.0 näher informieren möchte oder Interesse hat, bei kommenden Aktionen mitzuwirken, melde sich bitte bei Claudia Tauermann (05130-585724), der Ansprechspartnerin für Maria 2.0 in der Wedemark.